Blutsverwandte

Sergei Rachmaninov
Prélude op. 3 Nr. 2 in cis-Moll
Sergei Rachmaninov
Aus den Préludes op. 23
1. Largo
2. Maestoso
3. Tempo di minuetto
4. Andante cantabile
5. Alla marcia
8. Allegro vivace
9. Presto
10. Largo
Ward De Jonghe
Konzertetüde „Sidereios“ (2023)
- Pause -
Franz Liszt
Sonate in h-Moll
Warum Blutsverwandte?
Die zwei prominenten Komponisten dieses Programms, Franz Liszt und Sergei Rachmaninoff, waren Vollblutvirtuosen, die über das Instrument Klavier vollkommen mühelos verfügten. Alle Erfahrungen ihres Lebens flossen unmittelbar in ihre Musik mit ein, die in weiten Teilen aus dem Klavier heraus - oft improvisierend - entstand.
Sergei Rachmaninoffs Preludes sind dabei wie verschiedene Einblicke in eine Welt, deren klangliche Wurzeln im Zarenreich Russland liegen. Besonders sind es Glocken, Kirchenglocken aller Art und aller Größe, die Rachmaninoffs Musik in ihrer Resonanz inspirieren und ihr Volumen schenken, Weite. Weit sind seine Melodien und mannigfaltig seine Kunst, sie zu begleiten. Jede neue klangliche Textur, die seinen Händen entspringt, öffnet neue Horizonte pianistischen Ausdrucks und Virtuosität. Und weit ist auch der Bogen, der sich über nachfolgende Pianistengenerationen spannt bis in unsere Zeit, aus der die Konzertetüde „Sidereios“ des flämischen Komponisten Ward De Jonghe stammt. Musik, deren Virtuosität aus dem erhitzten Spiel mit dichten Klangkombinationen und hoher rhythmischer Energie entsteht.
Blutsverwandt sind sich Rachmaninoff und Liszt im Schaffen musikalischer Stücke, deren Prägung persönlicher nicht sein könnte. Liszt schreibt unzählige musikalische Impressionen - oder Improvisationen - und zeigt sich doch in diesem Programm von gänzlich anderer Seite: seine Virtuosität dient einer großen musikalischen Architektur. Die Farben, Gerüche und Blicke seiner weiten Reisen sammeln und verdichten sich in der Musik seiner Sonate in h-Moll, die zwischen Werden und Vergehen existentielle Fragen stellt. Die Motive der Sonate sind psychologisch so prägnant, dass wir sie in unterschiedlichen Kostümen doch nie aus dem Blick verlieren und das so entstehende Drama sucht im gesamten Kanon seinesgleichen. Dabei entsteht diese Musik aus der Stille heraus, lässt die Stille zum musikalischen Akteur werden und führt zuletzt in die Stille zurück.